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Interview mit Frau Rahel Ryf von tipo.ch

Vor vier Jahren wurde die tipo ticketing GmbH gegründet. Seither haben die Jungunternehmer viel Erfahrungen im klassischen Ticketverkauf gesammelt und das Unternehmen wuchs stetig. Dieses Jahr machten sie schweizweit auf sich Aufmerksam, als sie zusammen mit der Pizolbahnen AG und der Belalp Bahnen AG Tagesskipässe vorstellten, deren Preise vom Wetter abhängen. Durch solch dynamische Preismodelle plant das Unternehmen den Schweizer Ticketmarkt zu modernisieren.

 

Vor knapp vier Jahren haben Sie Ihre Unternehmung mit STARTUPS.CH gegründet. Nun sind Sie ein erfolgreiches Unternehmen, welches seit der Gründung stetig wuchs. Was gab für Sie den Ausschlag, Jungunternehmer zu werden?

Wir haben tipo ticketing GmbH nicht gegründet, weil wir Jungunternehmer werden wollten, das war quasi ein Nebeneffekt. Viel mehr haben wir im Eventbereich das Bedürfnis gesehen, dass man einiges besser machen könnte. Wir selbst waren damals aus Veranstalter- und Kundensicht mit den bestehenden Angeboten auf dem Markt nicht glücklich. Aus dieser Unzufriedenheit haben wir uns, mit dem Ziel es besser zu machen, zusammengeschlossen. In einem ersten Schritt haben wir das Bestehende besser gemacht und uns dann in einem zweiten Schritt gefragt, was als nächstes kommt.  Der erste Gedanke zum Thema dynamischen Pricing ist noch während des Wirtschaftsinformatikstudiums entstanden. In enger Zusammenarbeit mit vielen Veranstaltern und Kunden haben wir tipo geschaffen. Heute sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem wir sagen können, dass wir den Veranstaltern genau das bieten können, was wir vor vier Jahren auf dem Markt nicht gefunden haben.

Sehr medienwirksam ist Ihr Angebot von wetterabhängigen Tageskarten, welches Sie zusammen mit der Fachhochschule St. Gallen, bei den Pizolbahnen und Belalpbahnen gestartet haben. Wie sind die bisherigen Rückmeldungen?

Das Schöne am Onlinegeschäft ist, dass man unmittelbar nach der Lancierung bereits Feedbacks erhält. Die Klicks und den steigenden Umsatz sehen wir sofort ohne aufwändige Studien durchführen zu müssen. Die Fachhochschule St. Gallen wird die Ergebnisse in einem weiteren Schritt vertieft analysieren und akademisch fundierte Fakten liefern. Die Rückmeldungen sind sowohl von den Bergbahnen und den Wintersportlern sehr positiv.  Die Kunden können nur gewinnen. Die Preise werden tiefer bei schlechtem Wetter. Nach oben gehen die Preis in keinem Fall.

Solch ein Projekt ist sicher sehr spannend zu entwickeln, doch macht die grosse Aufmerksamkeit der Medien etwas nervös?

Wir haben aufgrund der organisierten Medienkonferenz schon mit dem einen oder anderen Bericht gerechnet. Dass dann jedoch sogar das SRF darüber berichtet hat und tipo  in sehr vielen renommierten Zeitungen  präsent war, war schon aufregend. Besonders die Radiointerviews waren schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig (hier eine Übersicht: http://tipo.ch/Home/Press). Wir waren von der positiven Resonanz äusserst erfreut. Wenn man vier Jahre hart auf ein Ziel hinarbeitet, bemerkt man manchmal gar nicht, wie sehr man vorwärts kommt. Solche Momente bewegen einem dazu kurz inne zu halten, einen Blick zurück zu werfen und sich über die Resultate zu freuen.

Ferner bieten Sie Ticketvorverkauf für alle möglichen Veranstaltungen an, inkl. der Anwendung, dass auch die Buchhaltung eines Events direkt über Sie läuft. Bisher jedoch mit statischen Preisen. In welcher Branche sehen die besten Entwicklungschancen für dynamische Preise?

Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Einzige Voraussetzung, ist, dass die Daten verfügbar sind. Im Rahmen der Open-Data Bewegung stehen immer mehr Daten zur Verfügung, die eingebunden werden können, auf die man vorher nur erschwert Zugriff hatte. Aktuell nutzen wir die Wetterdaten von SRF Meteo. In die automatische Preisberechnung könnten jedoch auch weitere Faktoren, wie z.B. das Angebot bzw. die Nachfrage (wie in der Flugindustrie) einfliessen. So könnte der Schwarzmarkt komplett unterbunden werden.  Im Sportbereich ist es in Amerika bereits üblich, dass der Preis durch den Markt bestimmt wird. Dort bestimmen zum Beispiel Faktoren wie der aktuelle Platz in der Meisterschaft oder die Nachfrage, bzw. das Angebot auf dem Markt, den Preis.  Es wurde mit vielen Studien bewiesen, dass die Umsätze so für die Sportclubs wesentlich gesteigert werden. Dies durch die Mehreinnahmen im Ticketing und die Einnahmen, welche durch die zusätzlichen Personen im Stadion durch Essen, Getränke etc. (der sog. Mantelnutzung)  generiert werden.

Dass das dynamische Pricing bisher in der Schweiz noch nicht so verbreitet ist, wie in Amerika, liegt sicher auch an der Marktgrösse. Wären wir in Deutschland mit tipo gestartet, könnten wir von grösseren Skaleneffekten profitieren. Da wir aber alle Schweizer sind, war es für uns klar, das Konzept erst auf den heimischen Markt zu bringen.

Wie gedenken Sie das Konzept von dynamische Preise bei anderen Events zu implementieren?

Die Schweiz ist bezüglich der Nutzung von dynamischen Preisen im Ticketing Bereich noch sehr zurückhaltend. Die Skigebiete Pizol und Belalp gehen hier einen mutigen Schritt und wurden dafür direkt schon belohnt. Wie auch in anderen Bereichen braucht es oft einen Event, bzw. einen Veranstalter, der die Vorreiterrolle übernimmt. Wir sind überzeugt, dass das Konzept auch für andere Bereiche interessant ist. Dies zeigen auch die eintreffenden Anfragen. Beispielsweise von Kinos. Natürlich wäre es in diesem Fall interessant die Preise bei schönem Wetter sinken zu lassen.  In den Skigebieten wirkt aktuell das Wetter preisbestimmend. Weitere Daten wie Pistenberichte, Wochentage, Kaufmenge, Kaufzeitpunkt etc. könnten selbstverständlich auch noch berücksichtigt werden. Unser System wurde von Beginn an darauf ausgerichtet solche Daten zu nutzen.

Gibt es auch Kategorien von Veranstaltungen wo Sie aktuell keine Möglichkeit für dynamische Preise sehen?

Grundsätzlich eignet sich der dynamische Pricing-Algorithmus für Events aus allen Bereichen, ob gross oder klein, laut oder leise, sportlich oder gemütlich. Lustigerweise bieten viele Veranstaltungen wie z.B. Festivals dynamisches Pricing bereits an ohne dass es ihnen bewusst ist. Die Tickets, welche auf Ricardo und Co. gehandelt werden, werden zu Preisen verkauft, die der Markt mit Angebot und Nachfrage bestimmt. Anders als bei der Nutzung von tipo gehen hier die zusätzlich generierten Erträge ins Portemonnaie des Schwarzmarkt Händlers. Weder Künstler, noch Veranstalter oder Kunden sehen einen Rappen davon. Durch die Nutzung von tipo können die Mehreinnahmen in den Event selber investiert werden. Schlussendlich profitieren alle davon – mit Ausnahme des Schwarzmarkthändlers.

Welche Herausforderungen sehen Sie für eine breitere, kommerziellere Nutzung von dynamischen Preisen?

Sofern Daten vorhanden sind, können wir alles umsetzen. Es braucht diesbezüglich weitere mutige Vorreiter, die es wagen den Schritt zu gehen. Die Erfahrungen in Amerika und nun auch in der Schweiz zeigen, dass es sich lohnt, mutig zu sein. Die positive Rückmeldungen stimmen uns erfreut.

Bisher haben Sie eine Vorreiterstellung. Denken Sie, dass bald Konkurrenten erscheinen?

In Amerika gibt es bereits ähnliche Systeme. Die Daten werden jedoch in diesen Fällen manuell eingetragen. In der Echtzeit Daten Beeinflussung von Eventtickets sind wir aktuell die Einzigen.  Klar kann es gut sein, dass bald weitere Ticketinganbieter dynamische Preise anbieten. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema seit über vier Jahren und haben unsere Systeme von Beginn an darauf ausgerichtet. Aus diesem Grund ist unser System nicht in kurzer Zeit ähnlich komplex kopierbar. Wir gestalten die Ticketpreisberechnung gemeinsam mit dem Veranstalter. Die Wünsche sind sehr  innovativ sowie individuell. Die Preise ab und zu mal zu ändern, kann fast jeder, aber ein  langfristiges, vollautomatisches Pricing mit Echtzeitdaten für den Kunden zu entwickeln und damit die maximale Wirkung zu generieren, das ist Erfahrungs- und Expertensache. Zudem kostet bei uns ein Ticket den Veranstalter, nur  CHF 1 (keine weiteren prozentualen Gebühren). Dadurch, dass wir das gesamte System selber programmiert haben und eine Vielzahl der Prozesse automatisiert haben, können wir unabhängig davon, ob dynamisches oder herkömmliches statisches Pricing verwendet wird, dem Veranstalter diesen sehr attraktiven, in der Schweiz einmaligen Preis bieten.  Uns  ist es wichtig, mit Dienstleistungen zu begeistern, die wirklich das halten, was sie versprechen und dafür stehen wir ein.

 

Frau Ryf, wir danken Ihnen herzlich für dieses spannende Gespräch!

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