Wie erschliesst ein Schweizer Startup innerhalb weniger Tage einen neuen Markt?
Mit Automatisierung und künstlicher Intelligenz: Das Schweizer Proptech-Startup storabble hat Spanien als fünften Markt erschlossen und dabei einen Grossteil der Recherche und Datenanalyse automatisiert. Nach Angaben des Unternehmens wurden dafür innerhalb von zwei Tagen Zehntausende potenzielle Standorte geprüft.
Spanien folgt auf die Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich. Mit 1’955 verifizierten Lagerstandorten in 50 der insgesamt 52 spanischen Provinzen ist es gemessen an der Anzahl erfasster Standorte bereits der grösste Markt der Plattform.
Das Besondere: Für den Markteintritt eröffnete storabble weder eine lokale Niederlassung noch beschäftigte das Unternehmen Rechercheure vor Ort. Die beiden Gründer Sandro Kalbermatter und Oliver Meyer steuerten den Prozess während eines langen Wochenendes aus einer Berghütte im Engadin.
48 KI-Bots durchsuchen den spanischen Markt
Im Juli setzte storabble 48 KI-Bots gleichzeitig ein, um potenzielle Self-Storage-Standorte in ganz Spanien zu identifizieren. Innerhalb von zwei Tagen wurden so 27’430 Punkte erfasst.
Anschliessend bewertete ein KI-gestützter Algorithmus die gefundenen Standorte anhand der von storabble definierten Relevanz- und Qualitätskriterien. Die technische Infrastruktur dafür fällt vergleichsweise überschaubar aus: Der Algorithmus läuft nach Angaben des Startups lokal auf einer Gaming-Grafikkarte.
Insgesamt wurden 27’524 Orte geprüft. Davon erfüllten 1’955 die Anforderungen für eine Aufnahme auf die Plattform. Das entspricht rund sieben Prozent der untersuchten Standorte – oder ungefähr einem von 14 geprüften Orten.
«Ein ganzes Land zu kartieren war früher ein Projekt über Monate, mit einem Team vor Ort. Wir haben es von einer Berghütte aus gemacht, in ein paar Tagen. Früher entschied Kapital darüber, wer in einen neuen Markt eintreten kann. Heute entscheidet die Technologie, die man vorher gebaut hat», sagt Oliver Meyer, Gründer und CEO von storabble.
Was zeigt storabbles Expansion über den spanischen Markt?
Die erhobenen Daten geben gleichzeitig einen Einblick in die Struktur des spanischen Self-Storage-Marktes. Hinter den 1’955 erfassten Standorten stehen laut storabble insgesamt 1’045 verschiedene Betreiber.
Besonders auffällig ist die starke Fragmentierung: 832 Betreiber verfügen über lediglich einen Standort. Damit sind rund vier von fünf erfassten Unternehmen Einzelbetriebe. Zusammen repräsentieren sie 42,7 Prozent der auf der Plattform erfassten Standorte.
Auch die grössten Anbieter dominieren den Markt bislang nicht. Die fünf grössten Ketten kommen gemeinsam auf rund 13 Prozent der Standorte, während selbst die zehn grössten Anbieter zusammen weniger als einen Fünftel erreichen.
Geografisch konzentriert sich das Angebot stark auf die Küstenregionen, in denen sich rund zwei Drittel der erfassten Standorte befinden. Unter den Städten führt Madrid mit 264 Standorten, gefolgt von Barcelona mit 187. Danach folgen Zaragoza mit 48, València mit 47, Sevilla mit 37 und Málaga mit 35 Standorten.
Für storabble ist diese Fragmentierung gleichzeitig eine Chance: Eine Vergleichsplattform kann insbesondere dort einen Mehrwert schaffen, wo zahlreiche kleinere Anbieter für Kundinnen und Kunden nur schwer auffindbar sind.
Vom Studentenprojekt zur Plattform in fünf Ländern
Die Geschichte von storabble begann 2023 im Rahmen eines Entrepreneurship-Kurses an der Universität St. Gallen. Die ursprüngliche Idee: Die Suche nach einem Lagerraum sollte ähnlich einfach funktionieren wie die Buchung eines Hotelzimmers.
Noch im Gründungsjahr nahm das Startup an der Schweizer Ausgabe von «Die Höhle der Löwen» teil und gewann den E-Commerce-Unternehmer Roland Brack als Investor. Die erste Finanzierungsrunde belief sich auf CHF 335’000.
Seitdem hat storabble seine Präsenz schrittweise ausgebaut. Auf die Schweiz folgten Deutschland, Österreich und Frankreich. Im Februar 2026 übernahm das Unternehmen zudem das Düsseldorfer Startup on-storage.
Im Juli 2026 lancierte storabble nach eigenen Angaben die weltweit erste ChatGPT-App eines Lagerraum-Marktplatzes. Mit dem Markteintritt in Spanien umfasst die Plattform mittlerweile 6’348 verifizierte Lagerstandorte in fünf europäischen Ländern.
KI verändert die Möglichkeiten kleiner Startups
Die Expansion von storabble zeigt exemplarisch, wie Automatisierung und künstliche Intelligenz die Internationalisierung von Startups verändern können. Aufgaben, für die früher lokale Teams und entsprechend hohe finanzielle Ressourcen notwendig waren, lassen sich zumindest in datenintensiven Geschäftsmodellen zunehmend automatisieren.
Für Startups kann dadurch die technologische Vorarbeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Wer Prozesse früh skalierbar aufbaut, kann neue Märkte potenziell schneller und mit weniger personellen Ressourcen testen und erschliessen.
Der Fall zeigt gleichzeitig, dass KI nicht nur für einzelne interne Aufgaben eingesetzt werden muss. Sie kann Teil des eigentlichen Geschäftsmodells und der Skalierungsstrategie eines Unternehmens sein.
Wie geht es für storabble weiter?
Nach dem Markteintritt will storabble seine Abdeckung in Spanien weiter ausbauen und zusätzliche Betreiber direkt an die Plattform anbinden. Diese sollen ihre Inserate künftig selbst verwalten können.
Bereits fünf Tage nach dem Start in Spanien ging storabble eine Partnerschaft mit Self Storage Maps ein, einer auf die Self-Storage-Branche spezialisierten Marketingagentur. Über die Zusammenarbeit kann die Agentur die storabble-Inserate ihrer Kunden direkt verwalten.
Spanien soll dabei nicht der letzte neue Markt bleiben. storabble plant weitere Expansionen in Europa und verfolgt langfristig das Ziel, in allen europäischen Ländern mit einem relevanten Lagerraummarkt präsent zu sein.
Für das 2023 gegründete Schweizer Startup ist der spanische Markteintritt damit nicht nur ein weiterer Expansionsschritt. Er zeigt auch, wie eine früh aufgebaute technologische Infrastruktur jungen Unternehmen dabei helfen kann, Internationalisierung schneller und ressourcenschonender umzusetzen.
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