Der Weg zur Finanzierung
Wie findet man die richtigen Investoren, meistert die Due Diligence und überzeugt am Ende? Cohaga erklärt den Weg zur ersten externen Finanzierungsrunde Schritt für Schritt.

startups.ch hat Isabel Bischof und Fabio Mätzler getroffen und sie über ihren Weg zur Finanzierung sowie die heutigen Optionen für Startups befragt. Hier sind ihre Antworten.
Wie sah euer Weg zur Finanzierung aus?
Nach mehreren Jahren Bootstrapping standen wir an einem Punkt, an dem wir bewusst entscheiden konnten: Wollen wir organisch und damit kontinuierlich, aber langsam weiterwachsen oder durch zusätzliches Kapital unsere Wachstumsgeschwindigkeit deutlich erhöhen? Wir haben uns für Letzteres entschieden. Nicht, weil wir es mussten, sondern weil sich eine klare Chance ergeben hat, neue Produkte schneller in den Markt zu bringen und unsere starke Marktposition auszubauen.
Der Weg zur Finanzierung begann klassisch: Wir haben aktiv potenzielle Investoren identifiziert und angesprochen. Durch unsere eigenen Daten von Leadhub konnten wir gezielt Listen von Venture-Capital-Fonds, Private-Equity-Investoren und Family Offices erstellen und diese via Cold Outreach kontaktieren. Gleichzeitig haben wir uns kreative Wege überlegt, zum Beispiel ausgewählte potenzielle Business Angels, insbesondere Unternehmer aus spannenden Branchen – mit einem auffälligen, physischen Mailing direkt angesprochen. Einer unserer heutigen Investoren wurde genau über diesen Weg auf uns aufmerksam.
Sobald Interesse entsteht, folgt typischerweise ein strukturierter Prozess: Nach einem ersten Kennenlernen erhalten Investoren Zugang zu einem Datenraum mit den wichtigsten Informationen, darunter Jahresabschlüsse der letzten Jahre, Bilanzen, Erfolgsrechnungen, KPIs und bestehende Verträge. Darauf folgt eine sogenannte Light Due Diligence, bei der die finanziellen Kennzahlen sowie das Geschäftsmodell anhand der im Datenraum bereitgestellten Erfolgsrechnungen geprüft werden. Bleibt das Interesse weiterhin bestehen, schliesst sich die Phase der Vertragsverhandlungen an. In diesem Rahmen werden insbesondere die Unternehmensbewertung, die Höhe der Beteiligungsquote sowie zentrale Vertragskonditionen wie Liquidationspräferenzen, Mitverkaufsrechte und -pflichten festgelegt.
Welche Finanzierungsoptionen haben Startups heute?
Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, ein Unternehmen zu finanzieren. Neben Bootstrapping (also rein organischem Wachstum) ist die häufigste Form Eigenkapitalfinanzierung. Dabei gibt man Anteile am Unternehmen ab. Typische Möglichkeiten sind Family & Friends (Kapital aus dem persönlichen Umfeld), Business Angels (erfahrene Unternehmerpersönlichkeiten mit Kapital und Know-how) und Venture Capital (Fonds, die gezielt in stark wachsende Startups investieren). In späteren Phasen treten häufig auch Private-Equity-Investoren hinzu, die in etablierte Unternehmen investieren, welche in der Regel bereits einen Jahresumsatz von über 5 Millionen Franken erzielen.
Zusätzlich gibt es alternative Modelle wie strategische Investoren oder Revenue-based Financing, bei dem Kapital auf Basis zukünftiger Umsätze zurückgezahlt wird. Jede dieser Optionen bringt unterschiedliche Erwartungen, Dynamiken und Einflussmöglichkeiten mit sich.
Wie verlief der Prozess im Fall von Cohaga – eher schnell oder langwierig?
Der Prozess war definitiv nicht schnell oder einfach. Der aktuelle Markt ist eher zurückhaltend, es gibt weniger grosse Finanzierungsrunden, weniger IPOs und insgesamt eine vorsichtigere Stimmung bei Investoren. Gleichzeitig ist das Angebot an Startups sehr gross. Investoren sehen viele Pitch Decks und wählen entsprechend selektiv aus.
Das bedeutet: Der Prozess ist intensiv, teilweise langwierig und mit viel Detailarbeit verbunden. Investoren investieren signifikante Beträge bei hohem Risiko und wollen deshalb genau verstehen, wie das Unternehmen funktioniert, wo es steht und wohin es sich entwickeln soll.
Warum hat es bei euch am Ende funktioniert?
Ein entscheidender Faktor war unsere starke Ausgangslage: Wir waren bereits seit sechs Jahren am Markt, haben unser Geschäftsmodell bewiesen, durchgehend schwarze Zahlen geschrieben und standen zu keinem Zeitpunkt unter finanziellem Druck. Wir waren also nicht auf Kapital angewiesen, sondern wollten gezielt einen Partner gewinnen, um weiter zu wachsen. Zudem konnten wir bereits signifikanten Umsatz vollständig bootstrapped erzielen. Über die Jahre hinweg haben wir unseren Product-Market-Fit (PMF) mit erstklassigen Kunden eindrucksvoll unter Beweis gestellt – etwas, das viele Start-ups in frühen Phasen noch nicht vorweisen können. Entsprechend ist dort das Risiko in der Regel deutlich höher.
Zusätzlich wurde unser Gründerteam als komplementär, erfahren und sehr rational in der Entscheidungsfindung wahrgenommen. Wir hatten nicht nur eine Vision, sondern auch die Fähigkeit, diese operativ umzusetzen.
Am Ende war genau diese Kombination ausschlaggebend: echte Traktion, ein funktionierendes Geschäftsmodell und ein Team, dem Investoren zutrauen, das Unternehmen auf das nächste Level zu bringen.
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