Tipps für Startups & Unternehmer

Was unterscheidet erfolgreiche Startups von gescheiterten? Isabel Bischof und Fabio Mätzler teilen die wichtigsten Lektionen aus sechs Jahren unternehmerischer Praxis.

Cohaga AG
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startups.ch hat Isabel Bischof und Fabio Mätzler getroffen und sie nach praktischen Ratschlägen für Startups und Unternehmer befragt. Hier sind ihre Antworten.

Wie sollte man ein Produkt entwickeln?

Der wichtigste Punkt ist: Entwickelt Produkte basierend auf echter Nachfrage, nicht auf Annahmen. Bei Cohaga war die Nachfrage von Anfang an da, und genau darauf haben wir aufgebaut. Unser Angebot hat sich Schritt für Schritt entlang des Marktes entwickelt – von ersten Datensätzen über mehrere Listen, später ein Konfigurator, dann LeadHub und heute ranQ. Wir haben also nicht im stillen Kämmerlein entschieden, was gebaut wird – vielmehr hat der Markt die Richtung vorgegeben. Dieses Prinzip stellt sicher, dass echter Product-Market-Fit (PMF) entsteht und man nicht an Lösungen arbeitet, die letztlich keinen Bedarf decken.

Wie sollte man wachsen?

Unser Ansatz war klar: organisch wachsen und zuerst verkaufen. Viele Startups bauen zu früh grosse Organisationen, komplexe Websites oder Marken auf, bevor überhaupt Kunden da sind. Unsere Empfehlung: Erst 5, dann 10, dann 20, dann 50 Kunden gewinnen und daraus lernen. Wachstum sollte am Anfang stark vertriebsgetrieben sein, idealerweise durch die Gründer selbst («Sales-led Growth»). Das Produkt entwickelt sich parallel zur Nachfrage, nicht isoliert davon.

Wie wichtig ist Einfachheit am Anfang?

Sehr wichtig. Haltet die Komplexität so lange wie möglich tief. Baut keine unnötigen Strukturen auf und fokussiert euch nicht zu früh auf Dinge wie Branding oder rechtliche Perfektion, wenn das Geschäftsmodell noch nicht bewiesen ist. Ein Unternehmen muss zuerst funktionieren, alles andere kommt danach.

Wie findet man seinen Wettbewerbsvorteil?

Man muss klar verstehen, wo man besser ist als die Konkurrenz. Wettbewerb ist normal – entscheidend ist der eigene «Competitive Edge». Warum sollte sich ein

Kunde für dich entscheiden? Was kannst du besser, schneller oder effizienter? Diese Antworten müssen klar sein und im Markt spürbar.

Wie wichtig ist das Gründerteam?

Ein starkes, komplementäres Gründerteam ist entscheidend. Unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven sind ein Vorteil.

Gleichzeitig braucht es Durchhaltevermögen. Es wird Phasen geben, in denen es schwierig wird. Dann ist es entscheidend, dass man sich gegenseitig trägt, nicht alles infrage stellt und an der gemeinsamen Vision festhält. Gute Teams springen nicht auf jeden Trend auf, sondern bleiben fokussiert und stabil, auch wenn Gegenwind kommt.

Wie wichtig sind Struktur und Arbeitsweise?

Extrem wichtig. Unternehmertum bedeutet nicht maximale Freiheit ohne Struktur. Im Gegenteil: Gerade am Anfang braucht es Disziplin. Wir glauben daran, früh professionell zu arbeiten – mit klaren Strukturen, festen Arbeitsweisen und einem Umfeld, das Produktivität ermöglicht. Nicht «Startup-Romantik», sondern Umsetzung.

Welche Chancen und Risiken bringt KI?

KI ist zugleich Chance und Herausforderung. Der grösste Vorteil liegt in der Geschwindigkeit: Produkte, MVPs oder Landingpages lassen sich heute deutlich schneller und kostengünstiger umsetzen. Das erleichtert den Markteinstieg und hilft dabei, frühzeitig zu überprüfen, ob ein Product-Market-Fit (PMF) vorhanden ist.

Der Nachteil: Der Wettbewerb steigt massiv. Es gibt mehr Anbieter, mehr Angebot und mehr Varianten. Viele verlieren dadurch den Fokus, weil es zu viele Möglichkeiten gibt. Gleichzeitig ist der Wettbewerb global geworden, nicht nur lokal. In vielen Bereichen gilt zunehmend: The Winner takes it all.

Wie seht ihr den SaaS-Markt aktuell?

SaaS war lange das Erfolgsmodell für Startups: wiederkehrende Umsätze, hohe Skalierbarkeit und relativ tiefe Eintrittsbarrieren. Aktuell beobachten wir einen deutlichen Wandel: Anfang 2026 haben sich innerhalb kurzer Zeit rund 300 Milliarden US-Dollar an Börsenwert bei grossen Softwareunternehmen in Luft aufgelöst. Ein zentraler Treiber war die Entwicklung von KI-Tools wie Claude Code, die es ermöglichen, Software deutlich einfacher selbst zu erstellen. Das senkt die Eintrittsbarrieren weiter und verändert den Markt nachhaltig – sowohl für neue als auch für bestehende SaaS-Unternehmen.

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