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Mehrwertsteuerpflicht bei der Firmengründung – ab welchem Zeitpunkt nach der Gründung muss die MWST abgerechnet werden?

aktualisiert am 22. Oktober 2012

Bei Neugründern stellt sich immer wieder die Frage, ab welchem Zeitpunkt eine Einzelfirma, GmbH, Aktiengesellschaft etc. denn genau mehrwertsteuerpflichtig ist, d.h. wann sie was zu melden und zu bezahlen hat. Muss sie schon bei der Gründung Mehrwertsteuer bezahlen?

Mehrwertsteuerpflicht

 

Mehrwertsteuerpflicht bei der Gründung:

Vorweg ist zu klären, ob man nicht einer Steuerbefreiung oder Steuerausnahme unterliegt. Ist dem nicht so, muss bei der Gründung der Umsatz geschätzt werden. Wenn nun zu erwarten ist, dass man in den kommenden 12 Monaten einen Umsatz von CHF 100’000 erzielen wird, so hat man sich bereits bei der Gründung bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) anzumelden und eine Mehrwertsteuernummer zu beantragen. Indizien für den kommenden Umsatz sind beispielsweise die Übernahme oder Weiterführung eines bestehenden Betriebes von entsprechender Grösse, die Anzahl Mitarbeiter, die eingesetzte Infrastruktur, die Anzahl erwarteter Aufträge, etc. Nur ein Budget ohne weitere Fakten o.ä. reicht allerdings nicht für eine Prognose zur Anmeldung.
Konnte man den erwarteten Umsatz bei der Gründung nicht abschätzen so hat man spätestens nach drei Monaten die bisherigen Zahlen auf das restliche Jahr hochzurechnen. Wiederum hat man sich bei der ESTV anzumelden, wenn nun zu erwarten ist, dass man die genannten Grenzen überschreitet.
In beiden Fällen wird man sofort steuerpflichtig, wenn man das Überschreiten der Grenzwerte erwartet. Man hat sich also anzumelden und danach MWST zu fakturieren und abzurechnen.
Falls man gemäss der Grenzwerte nicht steuerpflichtig ist, weil man sich in der Aufbau- und Investitionsphase befindet und darum einen zu kleinen Umsatz erwirtschaftet, kann sich die Gesellschaft u.U. freiwillig der Steuerpflicht unterstellen. Ob das möglich ist und sich auch lohnt, ist im Einzelfall zu prüfen.

Mehrwertsteueranmeldung nach erfolgter Firmengründung:

Wenn eine bestehende Gesellschaft ihr Geschäft erweitert und darum erwarten muss, die Grenzwerte zu überschreiten, wird sie ebenfalls steuerpflichtig und hat sich bei der ESTV zu melden. Dazu sind wiederum die oben genannten Indizien (Geschäftsübernahme, Anzahl Mitarbeiter, etc.) zu beachten. Gleiches gilt wenn eine Gesellschaft unerwartet die Mindestumsatzgrenzen überschreitet. Im Unterschied zur Gründung beginnt die Steuerpflicht jedoch erst per 1. Januar des kommenden Jahres. Erst ab dann muss MWST fakturiert und abgerechnet werden.

Mehrwertsteuerpflicht muss regelmässig überprüft werden

Wer also wegen Unterschreiten der Umsatzgrenze nicht steuerpflichtig ist, muss regelmässig überprüfen, ob er im Zuge der Weiterentwicklung seines Geschäfts später steuerpflichtig wird. Ebenso gilt das Umgekehrte: Unterschreitet man die Umsatzgrenze wieder, nachdem man schon mehrwertsteuerpflichtig war und wenn man sich wieder abmelden möchte, so muss man dies der ESTV schriftlich mitteilen.

Wichtig:
Wenn eine Gesellschaft MWST berechnet, d.h. seinen Kunden MWST in Rechnung stellt, muss sie diese auch entsprechend abrechnen und abliefern. Es ist also nicht zulässig die MWST sozusagen „auf Vorrat“ schon zu fakturieren, wenn man sich betreffend seiner Steuerpflicht nicht sicher ist!

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6 Kommentare zu “Mehrwertsteuerpflicht bei der Firmengründung – ab welchem Zeitpunkt nach der Gründung muss die MWST abgerechnet werden?

  1. hallo

    ich betreibe seit 4 jahren eine einzelfirma, die nicht mwst. pflichtig ist.
    wir arbeiten als agentur für ausländische produzenten und stellen denen monatlich rechnung über die vereinbarte provision.

    in ausnahmefällen verrechnen wir aber eine leistung an firmenkunden also B2B.
    bei einer eingekauften ware wird uns mwst. verrechnet, die wir dann als beschaffungskosten in die ware mit einrechnen. wir können diesen betrag ja nicht separat ausweisen da sonst unser ek-preis errechnet werden kann. allerdings kann unser kunde dann auch keine mwst. rückfordern und kauft daher bei uns teurer ein als anderswo. ist das so korrekt?

    besten dank für ihre antwort.

    thomas harlander
    inhaber decoagentur harlander

    • Guten Tag Herr Harlander

      Genau, das ist korrekt so. Solange Sie keine Mehrwertsteuer verrechnen und diese damit separat ausweisen können Ihre Kunden keine Mehrwertsteuer zurückfordern.
      Allenfalls wäre es lohnenswert genauer zu prüfen, ob eine freiwillige Unterstellung nicht trotzdem Sinn macht, obwohl Sie die Umsatzgrenze von CHF 100’000.- nicht erreichen.

      Freundliche Grüsse
      Luzia Bachofner

  2. Guten Tag

    Ich habe eine EF mit HR und MWST (effektive Methode) und möchte ein gebrauchtes Auto von privat (mir selbst) auf das Unternehmen überschreiben und zum Eurotax Wert verkaufen. Wie kann ich die Vorsteuer bei der MwSt abziehen (Einlageentsteuerung oder fiktiver Vorsteuerabzug etc.)? Als Privatperson=Verkäufer des Autos war ich ja nicht MwSt-pflichtig.

    Vielen Dank und freundliche Grüsse,
    Patrick Schneider

    • Guten Tag Herr Schneider

      Sie können das Auto mittels der Einlageentsteuerung in die Einzelfirma übernehmen.
      Dies bedingt, dass Sie das Auto mit 20% Abschreiben (pro Jahr seit Kauf) und den MWST Satz übernehmen, welcher Sie zum Zeitpunkt des Kaufes bezahlt haben.

      Das heisst, wenn Sie das Auto 2 Jahre besitzen, müssten Sie 40% Abschreiben und von diesem Betrag die 7,6% abziehen, welche Sie als Vorsteuer geltend machen.

      Falls Sie weitere Fragen haben, empfehle ich Ihnen einen Treuhänder zu kontaktieren.

      Freundliche Grüsse
      Nadja Mehmann

  3. Guten Tag

    Anfang des Jahres 2015 habe ich mit 3 Freunden eine Kollektivgesellschaft gegründet, die sich hauptsächlich mit dem Textilhandel (Modelabel) beschäftigt. Nun hatten wir im ersten Jahr prinzipiell nur Investitionen und praktisch keinen Gewinn. Angemeldet haben wir die Gesellschaft als nicht MWST. pflichtig. Können wir nun dennoch im nächsten Jahr, da das Jahr 2015 sich dem Ende neigt, uns trotzdem als MWST. pflichtig anmelden und die von uns bezahlten MWST. geltend machen?

    Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe und wünsche Ihnen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr

    Beste Grüsse

    Duga hoti

    • Guten Tag

      Sie können sich freiwillig der MWST unterstellen, auch wenn Sie die Umsatzgrenze nicht erreicht haben.
      Damit Sie diese geltend machen können, wäre die effektive Abrechnungsmethode die passende. Diese können Sie auch bis zu 6 Monaten rückwirkend anmelden, um so bereits bezahlte MWST zurück fordern zu können.

      Freundliche Grüsse
      Nadja Mehmann

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